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Mini-me bis heute - die wichtigsten Etappen meines Reiterlebens.

Mein reiterlicher Werdegang ging definitiv durch viele Höhen und Tiefen, viele Fehlentscheidungen wurden getroffen und am Schluss bleibt ein wichtiger Erfahrungswert und tolle Pferde die meinen Weg begleitet haben bis heute.



Angefangen hat die Reise bereits vor weit über 20 Jahren. Als ich mich weder selbständig fortbewegen noch selbst essen machen konnte. Ich schätze ich war ca. zwei Jahre alt, als ich regelmässig auf dem Pony einer befreundeten Familie umher torkeln durfte.

Viele Jahre vergingen, der Pferdevirus bereits fix in der Blutbahn, da durfte ich im Alter von acht Jahren mit richtigen Reitstunden beginnen.

Ich habe angefangen regelmässig zum Unterricht zu gehen, natürlich hat mir einmal die Woche Pferdeluft bei Weitem nicht ausgereicht und so kam es, dass ich fast jede freie Minute im Reitstall anzufinden war. Ob Misten oder Sattelzeug putzen war mir herzlich egal, Hauptsache die tollen Tiere waren in meiner Nähe.

Schon als Kind waren die Pferde eine Art Zuflucht für mich. Die Ruhe und Kraft dieser Tiere war für mich schon von Klein an beeindruckend.


Mehrere Jahre vergingen, ich konnte mein erstes Reiterabzeichen absolvieren, durfte verschiedene Pferde reiten und hatte so verschiedene Pflegepferde.




Ein Pflegepferd habe ich bis heute noch oft in Erinnerung: Lanthana

Eine grosse, langbeinige und sehr schmal gebaute Stute. Als ich sie kennen lernte, war sie dem Menschen gegenüber sehr skeptisch. auch einfachste Sachen wie Aufzäumen gestalteten sich schwierig.

Besonders schön zu reiten war sie ehrlich gesagt im Nachhinein betrachtet auch nicht.

Aber das Pferd hat mich einfach fasziniert.

Ich war damals 14 Jahre alt, hatte so gut wie keine Ahnung von gar nichts und hatte plötzlich das Angebot dieses Pferd zu reiten. Natürlich habe ich sofort angenommen.

Ich habe das Pferd geliebt und sofort auf alles andere verzichtet. Mit ihr konnte ich meine erste Fuchsjagd bestreiten und gewinnen, ich hatte die Möglichkeit bei einem Showprogramm eine Quadrille zu reiten und sie hat mir glaube ich beigebracht bedingungslos zu Lieben.

Ich hatte das Pferd ans Futter genommen und unglaublich viele tolle Stunden mit ihr verbracht.

Es wurden diverse Abmachungen und Verträge gemacht, da ich im Sinn hatte dieses Pferd zu kaufen, nur leider stand sie eines Tages nicht mehr im Stall. Das Pferd wurde verkauft, ohne Absprache oder Rückfrage. Ich war natürlich am Boden zerstört und habe stark mit dem Gedanken gerungen den Reitsport an den Nagel zu hängen.

Lanthana habe ich anschliessend noch einmal besucht, kurze Zeit später musste sie wegen Komplikationen mit ihrem Fohlen leider eingeschläfert werden. Nichts desto trotz bleibt sie für mich unvergessen.





Nach der Story mit Lanthana hatte ich eigentlich wirklich keine Lust mehr auf's Pferd zu steigen.

Ich habe dann eine Zeit lang sporadisch ein junges Pferd geritten, das ich auch sehr gerne mochte, jedoch war es einfach nicht mehr dasselbe für mich. So widmete ich meine Freizeit vermehrt anderen Aktivitäten, sehr zur Beunruhigung meines Vaters. Nach einigen Gesprächen und wahrscheinlich endlosen Diskussionen, haben sich mein Papa und meine Oma dazu entschieden mir ein eigenes Pferd zu schenken. Ich war zu diesem Zeitpunkt in der Endphase meiner Schulzeit und stand kurz davor eine Ausbildung als Kauffrau zu starten.

Ich fand meine Motivation zu Reiten sehr schnell wieder und schon ging die Suche los.

Über meinen damaligen Trainer habe ich dann Anuschka kennengelernt.

Ein sehr hübsches Pferd mit unglaublich starkem Charakter und Willensstärke.

Sie wusste ganz genau was sie wollte und war der perfekte Lehrmeister, was alles ausser das Springen betraf. Anuschka hat mir Willensstärke, Durchsetzungsvermögen und Kompromisslosigkeit beigebracht. Auf Turnieren hatte sie nicht wirklich Spass. Ich bin ein oder zwei Jahre einige kleine Springen geritten bis 100cm Höhe. Man hat ihr die Anspannung stets angemerkt und ab einer gewissen Höhe wollte sie nicht mehr. Nach zwei Jahren war für mich Schluss, ich hatte keine Lust dazu ein Pferd zu zwingen zu etwas das es nicht möchte. So kam dann auch die Entscheidung ein zweites Pferd anzuschaffen.

Anuschka war 8 Jahre ein treuer Begleiter an meiner Seite. Sie hat mir unglaublich viel beigebracht und trotzdem musste ich mich irgendwann für einen Weg entscheiden. Sie lebt heute bei einer tollen Familie mit Kindern, die sie toll umsorgen. Ich sehe sie immer noch regelmässig einmal im Jahr und bin sehr froh, dass es ihr mit 19 Jahren immer noch so gut geht.




Und dann kam Kayla - was für ein Pferd.

Eine wunderschöne Fuchsstute die mich täglich an Lanthana erinnert hat. Man konnte weder sagen wie alt sie war, weder was für eine Abstammung sie hatte. Geschätzt wurde sie damals auf ca. 6 Jahre.

Ein weiterer Fehler der mir heute nie wieder unterlaufen würde. Sie hatte bereits damals auffällige Galle am linken Vorderbein. Natürlich habe ich einen Tüv mit Ultraschall gemacht und mir wurde versichert, dass ich nichts zu befürchten hätte. Ich, zum damaligen Zeitpunkt gerade Anfang 20, hatte viel zu wenig Ahnung und war natürlich Schockverliebt in die Traumstute. Das Pferd hat wundervolle Gänge und am Sprung war sie eine Lebensversicherung. Eigentlich genau das was ich an Anuschka vermisste. Ich nahm also das Findelkind Kayla nach Hause und wir gewöhnten uns sehr schnell aneinander. Bald folgten kleine Turniere und ein Jahr später trug sie mich erfolgreich durch die Springlizenz. Kurz darauf folgte bereits die erste kleine Lahmheit, eine Sehnenscheidenentzündung an dem Bein mit der auffälligen Galle. Natürlich haben wir sofort pausiert und danach wieder sachte aufgebaut. Ich konnte noch zwei oder drei Prüfungen reiten, dann kam die Lahmheit dezent schleichend zurück. Nach einer Weile war die Diagnose klar: Sehnenbefund mit Sehnenscheidenentzündung. Es handelte sich also bei der Galle nicht nur um Galle sondern tatsächlich um eine alte Verletzung. Vom behandelnden Tierarzt wurde mir geraten, mich mit dem Gedanken anzufreunden, sie zu erlösen. Ich habe mich nach langem Überlegen dazu entschlossen Kayla für ein Jahr auf die Wiese zu stellen, wo sie in Ruhe regenerieren kann. Ich hatte grosse Hoffnung, dass sie wieder ganz gesund werden könnte. Wurde sie tatsächlich auch. Nach gut einem Jahr hatte ich grünes Licht vom Tierarzt und das Pferd kam zurück zu mir in den Stall.

Ich habe sie behutsam wieder angefangen Schritt zu reiten und mir wurde schnell klar, dass dies nicht die Zukunft ist.

Sie hat sich an das Leben auf der Wiese gewöhnt und vor allem hat die stetige Bewegung stark zu ihrem Heilungsprozess beigetragen. Nach langem, langem ringen mit mir selber, habe ich mich dazu entschlossen sie zu verkaufen und ihr ein Leben wie sie es braucht zu ermöglichen. Kayla ist heute ein dickes, glückliches Freizeitpferd in einem Aktivstall in der Nähe von Freiburg. Ich stehe auch mit Ihren Besitzern nach wie vor in Kontakt und bin unglaublich froh, dass dieses tolle Pferd die Chance bekommen hat, ein solches Leben zu führen.

Auch für mich ging eine neue Türe auf, denn Larimara hat kurz darauf den Weg zu mir gefunden.





Zeitgleich wie Kayla auf die Wiese ging, habe ich mich entschlossen für Anuschka ein Plätzchen zu suchen und für mich ein Pferd zu kaufen, das mich sportlich weiterbringt.

Netter Gedanke von mir, aber ziemlicher Fail bei der Ausführung.

Und dann kam Kintaro. Für dieses Pferd die passenden Worte zu finden ist richtig schwierig. All jene die ihn kennengelernt haben, sitzen nun sicher mit einem Schmunzeln hinter dem Bildschirm.

Nun, zurück auf Anfang. Kintaro sollte mir den Eintritt in die L-Springen ermöglichen. Ein grosser Schimmel mit starken Beinen, viel Ausdruck im Gesicht und einem Vermögen für den Springsport, das so einige erblassen liess. Ich habe viele Fehler beim Pferdekauf gemacht in allen Jahren, aber den grössten habe ich definitiv mit Kintaro begangen - zum Glück ! Denn ich bereue keine Sekunde davon. Dass Kintaro körperlich zum damaligen Zeitpunkt nicht gut aussah, um es mal gelinde auszudrücken, war mir durchaus bewusst. Ich habe einen Tüv gemacht (leider ohne Röntgen) und der war allesamt in Ordnung. Das Pferd war damals noch nicht mal sieben Jahre alt und war schlichtweg Unterbemuskelt und Unterernährt. Warum ich dieses Pferd gekauft habe? - keine Ahnung. Er hat mich fasziniert und das tut er bis heute.

Verkauft wurde er mir als ein Pferd welches bereits L-Springen gegangen sei - war er nicht, tat er nie.

Ich nahm Kintaro nach Hause und das Abenteuer sollte beginnen. Ich wette, mindestens 90% meiner grauen Haare habe ich diesem Pferd zu verdanken.

Er stellte sich bei der kleinsten Kleinigkeit quer, machte nicht mal Ansatzweise das, was man von ihm verlangte, hatte Hengstallüren wie ich sie zuvor und auch bis heute, noch kein zweites Mal erlebt habe und von der Turnierreiterei möchte ich gar nicht sprechen.

Ich habe gefühlt hundert verschiedene Trainer kontaktiert und verschiedenste Dinge versucht.

Am Ende der Geschichte hat in der Prüfung die Glocke geklingelt und ich konnte mit beschämtem Gesicht wieder nach Hause gehen. Als er sich dann im zweiten Jahr, als er bei mir war eine Weideverletzung zugezogen hatte und wir einige Monate pausieren mussten, hat sich das Blatt gewendet. Das Pferd verstand endlich, dass ich ihn nicht fallen lasse und er begann Vertrauen zu fassen. Schritt für Schritt fanden wir zueinander und nichts desto trotz hat er mir meine Grenzen ganz klar immer wieder aufgezeigt. Bei ihm musste ich ganz genau zuhören was er braucht und dann ging alles von alleine.

Im letzten Jahr als ich mit ihm noch wenige Turniere bestritt konnten wir uns sogar klassieren und ich glaube keine Klassierung macht mich stolzer als diese.

Kintaro hat mir die wichtigsten Dinge beigebracht im Umgang mit Pferden: Hinhören, richtig nicht einfach das was man hören will, Geduld haben über sehr lange Zeit, den Partner Pferd wertschätzen und zwar nicht für die hübschen Schleifen, sondern für den Charakter und in jeder Situation etwas Positives zu sehen.

Leider liessen die Spätfolgen der schlechten Haltung in jungen Jahren nicht lange auf sich warten.

Vor 1.5 Jahren hat es angefangen Berg ab zu gehen. Die Arthroseschübe wurden regelmässiger und wir mussten immer längere Pausen einlegen und Vorsichtsmassnahmen treffen. Verschiedene Behandlungen haben leider nur vorübergehend ihre Wirkung gezeigt.

Mitte dieses Jahres musste ich leider rekapitulieren. Als ein Ritt ins Gelände nicht mehr mit gutem Gewissen möglich war, wusste ich im Winter, ohne Reithalle kann er das nicht überstehen.

Also entschied ich mich einen Weideplatz zu suchen für ihn. Gesucht gefunden, das Pferd sollte nach Deutschland in einen ganz tollen Aktivstall mit endlos viel Luxus für die Pferde.

Ich war extrem glücklich darüber und habe ihn kurz darauf auch dahin gebracht.

Leider war Kintaro mit seinen immer wiederkehrenden Hengstallüren, sehr schwierig in die Herde zu integrieren und seine körperliche Verfassung wurde immer schlechter. So dass ich mich leider entscheiden musste ihn gehen zu lassen. Ein Entscheid der mir mein Herz gebrochen hat und gleichzeitig aufgezeigt hat, dass immer wieder eine neue Türe aufgeht. Denn kurz darauf kam Lady in mein Team. Das wohl talentierteste Pferd, das ich je geritten habe.


Nichts und niemand wird dieses Pferd je ersetzen können und trotzdem soll diese Geschichte aufzeigen, dass auch wenn der Weg noch so steinig ist und unzählige Fehler begangen werden, am Schluss alles gut wird.






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